Über den Schulalltag hinaus: Xhenetas Jahr in Finnland

Im Schuljahr 2025/26 wagte unsere Schülerin Xheneta einen ganz besonderen Schritt: Für zehn Monate verließ sie Duisburg und verbrachte ein Auslandsjahr in Finnland. Dabei lernte sie nicht nur ein neues Schulsystem und eine andere Kultur kennen, sondern sammelte auch viele persönliche Erfahrungen, neue Freundschaften und unvergessliche Erinnerungen.

In ihrem Bericht erzählt Xheneta von ihrem Alltag in Finnland, ihrer Gastfamilie, der Schule, finnischen Traditionen und davon, wie sehr diese Zeit sie geprägt hat.

Hier berichtet sie selbst von ihrem Auslandsjahr:

Mein Name ist Xheneta Batatina, ich bin 17 Jahre alt und besuche die Heinrich-Heine-Gesamtschule in Duisburg, an der ich bereits seit der 5. Klasse bin. Im Schuljahr 2025/26 habe ich mich dazu entschieden, ein Auslandsjahr zu machen und für zehn Monate nach Finnland zu gehen. Schon seit langer Zeit war es mein Traum, einmal nicht nur in ein anderes Land zu reisen, sondern auch wirklich dort zu leben. Da ich mein ganzes Leben in Deutschland verbracht habe, wollte ich erleben, wie der Alltag in einem anderen Land aussieht, wie die Menschen dort leben, wie die Schule funktioniert und welche Kultur es dort gibt. Besonders die Schule hat mich interessiert, da ich mir auch für meine Zukunft vorstellen kann, einmal im Ausland zu leben. Warum Finnland? Am Anfang war ich mir gar nicht sicher, in welches Land ich gehen möchte. Ich habe verschiedene Länder angeschaut und mich schließlich immer mehr mit Finnland beschäftigt. Je mehr ich über das Land erfahren habe, desto größer wurde mein Wunsch, genau dorthin zu gehen. Besonders der finnische Winter hat mich interessiert. Finnland ist für seine kalten und langen Winter, viel Schnee und seine Natur bekannt. Ich wollte unbedingt einmal selbst erleben, wie es ist, in einem Land zu leben, in dem Schnee und Kälte zum normalen Alltag gehören. Gleichzeitig wollte ich die finnische Kultur kennenlernen und herausfinden, wie das Leben dort wirklich ist. Natürlich war ich vor meiner Abreise auch etwas nervös. Es war schließlich ein komisches Gefühl zu wissen, dass ich meine Familie und meine Freunde für zehn Monate nicht jeden Tag sehen würde. Trotzdem überwog bei mir die Aufregung und Vorfreude. Ich wusste, dass ich diese Chance unbedingt nutzen wollte und war gespannt darauf, was mich erwarten würde. Meine ersten Tage in Finnland Am 15. August 2025 ging es schließlich los. Nach meiner Ankunft fuhr ich mit dem Zug in meine neue Heimatstadt. Dort wurde ich von meiner Gastmutter abgeholt. Am selben Tag lernte ich dann meine gesamte Gastfamilie kennen. Wir verbrachten gemeinsam Zeit und sie zeigten mir die Stadt und meine neue Umgebung. Ich lebte in kurikka, einer eher kleinen Stadt in Finnland. Im Vergleich zu Duisburg war Kurikka deutlich kleiner, aber genau das fand ich interessant. Es war eine ganz andere Umgebung als ich sie aus Deutschland kannte. Meine Gastfamilie war für mich ein ganz besonderer Teil meines Auslandsjahres. Am Anfang war ich natürlich etwas skeptisch, weil ich nicht wusste, wie das Zusammenleben mit einer fremden Familie funktionieren würde. Als ich sie dann kennenlernte, merkte ich aber schnell, dass ich eine wirklich tolle Gastfamilie gefunden hatte. In meinem Haus lebten meine Gastmutter und mein Gastvater, meine Gastschwester in meinem Alter, zwei Gastbrüder im Teenageralter und meine jüngere Gastschwester. Später kam noch eine tschechische Austauschschülerin dazu, die ebenfalls in meinem Alter war. Insgesamt waren wir also acht Personen. Wir lebten gemeinsam in einem großen Haus und trotzdem hatte jeder sein eigenes Zimmer. Dadurch hatte ich immer Menschen um mich, aber gleichzeitig auch einen eigenen Rückzugsort. Freunde, fande ich relativ schnell in Finnland. In meiner Schule hatte ich viele internationale Schüler/innen mit dem ich befreundet war bzw. noch bin, aber auch mit viele finnische Schüler/innen war ich befreundet. Am Anfang hatte ich Angst, dass ich dort nicht so schnell Freunde finde aber schon am ersten Schultag fand Ich meine Freunde und bin bis heute noch mit Ihnen im Kontakt. Sie sind mir sehr schnell ans Herz gewachsen und haben mein Erlebnis in Finnland verbessert! Schule in Finnland Auch das finnische Schulsystem unterscheidet sich in einigen Punkten deutlich vom deutschen. Die Schülerinnen und Schüler beginnen die Schule in Finnland normalerweise mit sieben Jahren. Nach der Grundschule die von der ersten bis zur sechsten Klasse geht besuchen sie die weiterführende Schule bis zur 9. Klasse und anschließend die Oberstufe die von der 10 bis zur 12 Klasse ging. Auch die Benotung ist anders. In Finnland werden die Leistungen normalerweise auf einer Skala von 4 bis 10 bewertet. Eine 10 ist die beste Note, während eine 4 als nicht bestanden gilt. Besonders ungewohnt war für mich am Anfang, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Lehrerinnen und Lehrer normalerweise duzen und sie mit dem Vornamen ansprechen. In Deutschland sind wir es eher gewohnt, unsere Lehrkräfte zu siezen und mit ihrem Nachnamen anzusprechen. Außerdem ist das Schuljahr anders organisiert. Während wir in Deutschland zwei Halbjahre haben, ist das Schuljahr in Finnland in sechs sogenannte Perioden aufgeteilt. Nach jeder Periode verändert sich der Stundenplan, sodass man immer wieder andere Fächer und Kombinationen hat. Dadurch habe ich gemerkt, dass Schule nicht überall auf der Welt gleich funktioniert. Gerade dieser Unterschied war für mich sehr interessant, weil ich die finnische Schule nicht nur als Austauschschülerin erlebt habe, sondern wirklich ein Teil davon war. Finnische Traditionen Während meines Aufenthalts durfte ich auch einige typisch finnische Traditionen kennenlernen. Eine davon sind die Wanhojentanssit, ein traditioneller Ball der finnischen Oberstufe. Die Schülerinnen und Schüler ziehen sich festliche Ballkleider an und führen verschiedene traditionelle Tänze auf. Für mich war es etwas ganz Besonderes, diese Tradition selbst mitzuerleben und mit zu tanzen, ich habe mich gefühlt wie in einem Film. Auch Weihnachten wird in Finnland sehr groß gefeiert. Da Finnland mit Lappland verbunden wird, spielt der Weihnachtsmann dort natürlich eine besondere Rolle. Die Weihnachtszeit fühlte sich durch den Schnee, die Dunkelheit und die vielen Lichter noch einmal ganz besonders an als in Deutschland, da ich aber auch davor nie Weihnachten gefeiert habe. Eine weitere finnische Tradition ist die Sauna, die für viele Familien ein ganz normaler Teil des Alltags ist. Auch ich habe während meines Auslandsjahres sehr oft die Sauna besucht. Auch Ostern wird in Finnland auf eine etwas andere Art gefeiert. Besonders bekannt ist die Tradition, dass Kinder sich verkleiden und mit geschmückten Birkenzweigen von Haus zu Haus gehen. Dabei wünschen sie den Menschen Glück, sprechen ein Gedicht und bekommen dafür Süßigkeiten. Diese Tradition kannte ich vorher überhaupt nicht und fand sie deshalb besonders interessant. Was ich aus meinem Auslandsjahr mitgenommen habe Natürlich war nicht jeder Tag perfekt. Zehn Monate in einem anderen Land zu leben bedeutet auch, dass man manchmal Heimweh hat oder sich an neue Situationen gewöhnen muss. Trotzdem waren gerade diese Herausforderungen wichtig für mich. Ich habe gelernt, selbstständiger zu werden, mich auf neue Menschen einzulassen und auch mit Situationen klarzukommen, die ich vorher nicht kannte. Außerdem habe ich gemerkt, dass die Welt viel größer ist als das, was man aus seinem eigenen Alltag kennt. Besonders schön war für mich, Menschen aus verschiedenen Ländern kennenzulernen. Durch meine Gastfamilie und andere Austauschschülerinnen und Austauschschüler habe ich nicht nur Finnland, sondern auch andere Kulturen kennengelernt. Nach zehn Monaten hieß es dann am 16. Juni 2026 wieder Abschied nehmen. Es war ein sehr komisches Gefühl, Finnland, meine Freunde und meine Gastfamilie zu verlassen, weil dieses Land in den zehn Monaten ein zweites Zuhause für mich geworden war. Gleichzeitig habe ich mich natürlich auch darauf gefreut, meine Familie und Freunde in Deutschland wiederzusehen. Ein großes Dankeschön Zum Schluss möchte ich mich bei allen bedanken, die dieses Auslandsjahr möglich gemacht haben. Ein besonderer Dank gilt AFS, über die ich mein Auslandsjahr organisiert habe. Dankbar bin ich auch für das erhaltene Stipendium, ohne das diese Erfahrung für mich deutlich schwieriger gewesen wäre. Auch meinen Eltern möchte ich von Herzen danken. Sie haben mich bei meiner Entscheidung unterstützt und mir diese besondere Erfahrung ermöglicht. Ohne ihre Unterstützung wäre mein Auslandsjahr nicht möglich gewesen. Außerdem möchte ich mich bei meiner Schule, die Heinrich-Heine-Gesamtschule in Duisburg bedanken. Die Schule hat meine Entscheidung für das Auslandsjahr unterstützt und mich auch während meiner Zeit in Finnland nicht vergessen. Mein Auslandsjahr war für mich eine der größten Erfahrungen meines bisherigen Lebens. Ich habe viele neue Menschen kennengelernt, eine neue Kultur erlebt, bin selbstständiger geworden und habe unglaublich viele Erinnerungen gesammelt. Wenn ich heute zurückblicke, bin ich sehr froh, dass ich mich damals getraut habe, für zehn Monate meine gewohnte Umgebung zu verlassen und etwas völlig Neues zu erleben. -Xheneta Batatina

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